Vorschlag für einen neuen qualifizierten Büroberuf

Sozialpartner verabreden Eckpunkte und Fahrplan zur Neuordnung der Büroberufe

Am 15. Juni 2011 haben sich die Sozialpartner in Berlin auf Eckpunkte für die Neuordnung der Büroberufe verständigt und einen Zeitplan besprochen. Die Bürokaufleute, die Kaufleute und die Fachangestellten für Bürokommunikation werden zu einem neuen 3-jährigen Beruf mit der Berufsbezeichnung Kaufmann / Kauffrau für Büromanagement (Arbeitstitel) weiterentwickelt. Nach den Vorstellungen der Sozialpartner soll es zukünftig eine gestreckte Abschlussprüfung geben. Der Teil 1 der Abschlussprüfung soll nach 15 Monaten mit dem Schwerpunkt Informationsverarbeitung stattfinden. Die Details werden im Rahmen des Neuordnungsverfahrens erarbeitet. Das Berufsprofil ist gekennzeichnet durch Büroprozesse und Geschäftsprozesse, die durch Wahlqualifikationen ergänzt werden. Es müssen mindestens zwei Wahlqualifikationen mit je fünf Monaten absolviert werden. Eine Wahlqualifikation kann als Zusatzqualifikation vermittelt und geprüft werden, die betriebsspezifische Wahlqualifikation ist davon ausgeschlossen.

(Teilnehmer im Bild: v.l. Wilfried Malcher (HDE), Christian Hollmann ZDH), Maria E. Schmitz (KWB), Uta Kupfer (ver.di), Simon Grupe ( DIHK), Thomas Ressel (IG Metall), Frank Czichos (IG BCE), Thomas Giessler (DGB))

Der Fahrplan für die Neuordnung:

  • Start im Oktober 2011
  • Abschluss der Neuordnungsarbeit Ende 2012
  • Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt Anfang 2013
  • Ausbildungsstart im neuen Beruf 01.08.2013

Eckpunkte zur Neurordnung der Büroberufe (pdf, 51kb)

Neuordnung der Büroberufe geht an den  Start

Auf Einladung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) fand am 03. Februar 2011 ein Gespräch zur Neuordnung der Büroberufe in Berlin statt. Die Arbeitgebervertreter der Privatwirtschaft und des Öffentlichen Dienst und die Gewerkschaften diskutierten die Vorstellungen für einen neuen dreijährigen Büroberuf. Er soll die bisherigen Bürokaufleute, Kaufleute für Bürokommunikation und Fachangestellten für Bürokommunikation zusammenführen. In weiten teilen waren sich alle Beteiligten über den Modernisierungsbedarf einig. Unterschiedliche Vorstellungen gibt es beim Strukturmodell. Die Arbeitgeber favorisieren Wahlqualifikationen und die Gewerkschaften wollen die bewährten Einsatzgebiete (Sacharbeitsgebiete) weiterentwickeln. Beiden geht es aber um flexible Gestaltungsoptionen für die betriebliche Ausbildungspraxis. Es wurde ein Fahrplan verabredet, dass bis zum Sommer ein gemeinsamer Eckpunktevorschlag stehen soll und dann mit der Neuordnungsarbeit gestartet werden kann. Die Umsetzung in den Betrieben ist aber frühestens ab 2013 realistisch.

Nun scheint die Neuordnung der Büroberufe endlich zu starten, bereits seit 2003 haben sich die Gewerkschaften dafür stark gemacht und Vorschläge entwickelt. „Die Forderung nach einer Schmalspurausbildung, die insbesondere Frauen benachteiligen würde, hat lange eine Verständigung schwer gemacht“, so Thomas Ressel, Bildungsexperte der IG Metall. Die von einigen Arbeitgebervertretern in die Diskussion gebrachte Entwicklung eines zweijährigen Büroberufs wurde von der Mehrheit nicht geteilt. Das BMWI und das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die öffentlichen Arbeitgeber und das Handwerk sehen wie die Gewerkschaften keinen Bedarf. Es müssten schon überzeugende Argumente geliefert werden um darüber weiter zu beraten, so die Einschätzung des BMWI. Eine Option ist, dass nach Einführung des neuen dreijährigen Büroberufs untersucht werden könnte, ob es einen zusätzlichen Bedarf gibt.

Vorschlag der Gewerkschaften 2011

Vorschlag der Arbeitgeber 2011


Im Jahr 2009 fanden zwei Sozialparteiengespräche statt. Übereinstimmung deutet sich an, dass ein neuer Büroberuf orientiert an den Arbeits- und Geschäftsprozessen strukturiert wird. Beim Vorschlag der Gewerkschaften sind die Prozesse die Grundlage. Die Eckpunkte wurden unter Berücksichtigung der Diskussion mit den Arbeitgebervertreter/innen weiterentwickelt. Unterschiedliche Auffassungen bestehen allerdings ob für den neuen Querschnittberuf Wahlqualifikationen oder Einsatzgebiete die besseren Gestaltungsoptionen für die Ausbildungsbetriebe darstellen. Eine weitere Dissenz besteht beim Thema zweijähriger Serviceberuf. Die Gewerlschaften sehen keinen Bedarf sondern sogar die Gefahr, dass eine solche Kurzausbildung zur Sackgasse für Frauen werden kann. Über 75 Prozent Frauen werden in den Büroberufen ausgebildet.

Hier die aktuellen Unterlagen:

Eckpunkte Gewerkschaften 2009

Erklärung des Arbeitskreis  kaufmännische Berufsbildung der IG Metall

Vorschlag des Kuratoriums der Wirtschaft für Berufsbildung


Unterschriften für eine gute Büroausbildung übergeben

22.672 Unterschriften für eine gute Büroausbildung haben die DGB-Gewerkschaften gesammelt und dem Bundeswirtschaftsministerium überreicht. Der Hintergrund: Die Arbeitgeber wollen eine verkürzte zweijährige Ausbildung im Büro. Aus Sicht der Gewerkschaften würde dies die Berufschancen der darin Ausgebildeten extrem verschlechtern.

Thomas Ressel, Bildungsexperte der IG Metall weist darauf hin, dass insbesondere mal wieder Frauen benachteiligt werden sollen. „Von den rund 100.000 Auszubildenden in den Büroberufen sind fast 80 Prozent Frauen", so Ressel. Deshalb stand die Unterschriftenaktion auch unter dem Motto Karrierechancen für Frauen sichern, für eine qualifizierte Ausbildung. Eine Schmalspurausbildung führt schnell in die berufliche Sackgasse, das Risiko von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein ist hoch. Das Ministerium hat bereits signalisiert, dass es bei der bisherigen qualifizierten dreijährigen Ausbildung bleiben soll. Ein Bedarf für eine zweijährige Ausbildung im Bürobereich wird nicht gesehen und müsste nachgewiesen werden. „Die Gewerkschaften sind wachsam" sagt Thomas Giessler, vom DGB-Bundesvorstand, „haben die Arbeitgeber doch bei den Metall- und Elektroberufen zweijährige Berufe ohne die Gewerkschaften mit dem Ministerium gemacht."

Im Bild von links: Uta Kupfer, verdi, Thomas Giesler, DGB, Beatrix Strauch, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Thomas Ressel, IG Metall, Ingo Degenhardt, DGB

Karrierechancen für Frauen sichern, für eine qualifizierte Ausbildung - Unterschriftenaktion gestartet

Seit mehreren Jahren laufen Arbeitgebern und Gewerkschaften Gespräche zur Neuordnung der Büroberufe (Kaufleute für Bürokommunikation, Bürokaufleute und Fachangestellte für Bürokommunikation). Die Arbeitgeberseite will die Neuordnung dazu nutzen, auch in diesem Bereich zweijährige Ausbildungen einzuführen. Damit würde ein Billiglohnbereich eingeführt werden, der in erster Linie wieder einmal Frauen trifft. Diese Kurzausbildungen führen in eine berufliche Sackgasse und erhöhen das Risiko von Arbeitslosigkeit. Alle DGB-Gewerkschaften sind sich einig, dass muss verhindert werden. Deshalb haben sie eine Unterschriftenaktion „Karrierechancen für Frauen sichern, für eine qualifizierte Ausbildung" gestartet. Sie richtet sich insbesondere an das Ausbildungspersonal, Betriebsräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertreter/innen. Die Gewerkschaften fordern damit die Bundesregierung auf, die Benachteiligung von Frauen durch eine Schmalspurausbildung zu verhindern!

Eine erste Veröffentlichung mit Zwischenstand der Unterschriften ist zum Equal Pay Day am 26.03.2010 geplant. Die Unterschriften sollen deshalb möglichst bis zum 19.03.2010 an den DGB-Bundesvorstand, Bereich Bildung, Qualifizierung, Forschung, Thomas Giessler, Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin geschickt werden!

Bis Ende Juni werden dann weiter Unterschriften gesammelt und anschließend die Arbeitgeber und Regierung/Ministerien angeschrieben und die Unterschriften öffentlichkeitswirksam übergeben.

Anschreiben DGB

Erklärung und Unterschriftenliste

 


Im Sozialparteiengespräch am 29.05.2007 hat die Arbeitnehmerseite die Aufgabe übernommen, die Eckdaten für den dreijährigen neuen Büroberufe zusammenzuführen. Grundlage sind der Arbeitnehmervorschlag, der bereits 2005 den Arbeitgebern übergeben wurde sowie die Arbeitgebervorstellungen. Sie wurden in die für Berufsbildpositionen vorgeschriebene neue Struktur gebracht, berufsprofilprägende (Abschnitt A) und integrative (Abschnitt B) Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Der Vorschlag wurde am 23.07.2007 an die Arbeitgeberseite geschickt. Über die weiteren Gespräch werden wir hier berichten. Für das Anliegen der Arbeitgeber, einen zweijährigen Büroberufe nach dem Anrechnungsmodell zu entwickeln, sehen wir keinen Bedarf in der Arbeitswelt. Für die Jugendlichen in einer solchen Ausbildung wäre eine berufliche Entwicklung stark eingeschränkt und Arbeitslosigkeit vorprogramiert. Betroffen wären überwiegend Frauen (über 70 % beträgt der Frauenanteil in den Büroberufen), denen die Zukunft verbaut wird.

 

Vortrag vom BIBB-Kongress zur Neuordnung der Büroberufe

Im September 2007 präsentierten ver.di und IG Metall die gewerkschaftlichen Vorstellungen zur Neuornung der Büroberufe beim BIBB-Kongress in Düsseldorf. An dem Forum beteiligten sich rund 100 Interessierte.

 

 

 

3. IG Metall-Fachkonferenz für das Personal in der Aus- und Weiterbildung, 26. und 27. Juni 2008 

Präsentationen aus dem Workshop Perspektive: Kernberufe für Kaufleute:

Einführung in den Workshop - Herausforderungen für die kaufmännische Berufsausbildung in Deutschland, brauchen wir fast 50 Berufe für Kaufleute?

Kaufmännische Berufe in der Schweiz - Erfahrungen und Vorgehensweise in der Schweiz, Prof. Michèle Rosenheck, Leiterin Berufsbildungspolitik, Kaufmännischer Verband Schweiz

Brauchen wir Berufsfamilien und wie könnten sie für die kaufmännischen Berufe aus sehen? Rainer Brötz, Bundesinstitut für Berufsbildung, Arbeitsbereichsleiter Kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Dienstleistungsberufe, Berufe der Medienwirtschaft

Beispiel: Kernberuf Kaufmann/frau für Büromanagement - Informationen zum Stand der Neuordnung der Bürokaufleute, Kaufleute für Bürokommunikation und Fachangestellten für Bürokommunikation

 

Weitere Informationen im WAP-Netzwerk.

 

 

 


AnhangGröße
2007_09_13_BIBB_Kongress_Büroberufe.pdf398.2 KB
2010_neu_NO_Buero_Prozessorientierung_Einsatzgebiete.pdf107.34 KB